Schleck, schleck – plötzlich ist Schlecker weg!


Heute schließen endgültig die Pforten des Unternehmens Schlecker.
Schlecker setzte auf extreme Expansion (2008 mehr als 14.000 Filialen), was wohl letztendlich am meisten dazu beitrug, daß am Ende Insolvenz beantragt werden musste. Vor Kurzem versuchte man noch mit einer missglückten Marketingkampange sich am eigenen Schopf aus dem Schlamm zu ziehen. Der Versuch scheiterte, die Mitarbeiter stehen nun auf der Strasse.

Gerne berichtet die Presse von den „Schleckerfrauen“. Frauen wohl deshalb, weil man mit ihnen etwas in Gedanken verbinden kann – eben die Dame, die sich so freundlich nach dem Befinden der Familie erkundigt. Ein gefundenes Fressen für die Presse um die eigenen Blätter zu füllen, die Auflage zu steigern und ebenso für die werten Politiker, die dann – mit sinnlosen Rettungspaketen – ihre Solidarität zum Volk bekunden können. So etwas braucht man als Politiker, nur so wird das Fussvolk bewegt, das Kreuzchen an der richtigen Stelle auf dem Wahlzettel zu machen.

Besonders gewurmt hat mich heute ein Facebookbild von Daily Abgefahrenes, auf dem zu lesen war:
„4/1975 – 6/2012
Nach 37 Jahren schließen heute die Schlecker-Märkte“, soweit so schön.
„Man liebte oder man hasste sie.“, und wenn man weder das Eine, noch das Andere machte?
„Fakt allerdings: Jeder kannte sie..! Sie waren eine feste Größe im Einzelhandel. Unser Gedanken sollten nun bei den TAUSENDEN Mitarbeitern sein, die nun vor dem NICHTS stehen…!“. Nicht nur die Interpunktion bei diesem Bild ist totaler Blödsinn, auch das imaginäre NICHTS von dem hier gesprochen wird ist totaler Schwachsinn.

Natürlich muss man die Schleckermitarbeiterfrauen an die Hand nehmen. Man muss sie wie den Hund zu neuen Arbeitsplätzen führen, weil sie alle viel zu dumm dazu sind, aus eigenem Antrieb und mit eigenem Können zu neuen Arbeitsplätzen zu gelangen. Schließlich können die ja nichts! Nichts ausser alten Renterinnen mit überhöhten Preisen die Kohle aus den Taschen ziehen!

Welch unheimlich großer Schwachsinn!
Jeder, der die Lage (2500 Leute sollen bereits eine andere Anstellung gefunden haben) der Leute so darstellt sollte sich schämen, da er den Menschen ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellt. Hier wird dieses schlechte Zeugnis (wenn auch nicht direkt offensichtlich) ausgestellt, damit mehr Leute die eigene Facebookseite liken, oder es wird einfach nicht genug nachgedacht, weil der nötige Horizont, bzw. das nötige Feingefühl fehlt. Auch wenn der Betreiber der Seite das nicht so gern liest. Jedenfalls wird da das Bild einer gehirnlosen Mitarbeiterin bei der insolventen Drogeriemarktkette gezeichnet, die sich direkt nach Erhalt des Arbeitszeugnisses am Besten auf dem Dachboden aufknüpft, weil sie zu nichts zu gebrauchen ist.

Wenn nun die Berichte der Presse von schlechten Arbeitsbedingungen, schlechter Bezahlung u.s.w. stimmen, dann freue ich mich als Personaler doch extrem darüber, daß sich ein ehemaliger Schleckermitarbeitersfrau bei mir bewirbt. Schließlich hat dieser Schleckermitarbeitersfrau (man sollte den Ausdruck Schleckermitarbeitersfrau in den Duden aufnehmen, er ist so schön asexuell!), nach jahrelanger Zugehörigkeit zum Schleckerkonzern bewiesen, daß er auch unter harten Arbeitsbedingungen, zu schlechter Bezahlung funktioniert. Oder waren die schlechten Arbeitsbedingungen bei Schlecker einfach nur an den Haaren herbeigezogen und die Mitarbeiter fanden im Hause S. das Mekka vor? Ich glaube eher, daß hier auch mal wieder die Medaille zwei Seiten hat.

Da die Facebookseite Daily Abgefahrenes viele folgende Leute hat, resultierten natürlich auch gewisse Kommentare, wie z.B. die Forderung, daß man den ehemaligen Inhabern von Schlecker die Konten einfrieren müsse. Würde man dies tun, wäre die Rechtsform der GmbH, bei der man eben nicht mit dem Privatvermögen, sondern dem Kapital der Gesellschaft haftet, obsolet. Es ist verständlich, daß es vielen Leuten nicht möglich ist, sich in das Leben von Selbständigen hineinzuversetzen. Faktum ist aber, daß es nicht einfach und grade in Deutschland alles andere als leicht ist – recht herzlichen Dank an dieser Stelle an unsere Regierung. Würde es diese Rechtsformen nicht mehr geben, würden viele Firmen gleich schließen und welche Auswirkungen das auf den Arbeitsmarkt hätte, sollte jedem klar sein.

Auch der Ruf des Verteilen des Vermögens der Familie Schlecker ist absurd. Kein Millionär wurde Millionär in dem er den Kommunismus lebte. Nein, Millionär wird man nur durch Leben des Kapitalismus. Wer glaubt, daß das dennoch möglich ist, sollte die rosarote Brille absetzen. Zumal jeder, der einen gewissen Lebenstil gewohnt ist, diesen auch behalten möchte und da ist dann jeder sich selbst der Nächste. Wen diese Thematik interessiert, dem werfe ich mal das Wörtchen Trigema vor den Latz, welches als Vorzeigeunternehmen für gute Führung und Made in Germany gilt.

Recht humorvoll finde ich dann auch den Kommentar einer ehemaligen Schleckermitarbeiterin: „und denkt doch mal einen Tick weiter:Viele von uns Schlecker Angestellten konnten sich auch noch leisten z.B.bei Handwerkern Aufträge in Arbeit zu geben”, schreibt Ca Ro auf der Daily Abgefahrenes Facebookseite.
Richtig, Mitarbeiter von Schlecker konnten es sich unter Umständen leisten Handwerkern Aufträge zu erteilen. Da viele von diesen Mitarbeitern aber nicht so knalletoll verdienten, haben sie jetzt auch nicht viel weniger als bei Schlecker und können das noch immer. Aber bei der Geburt eines Ex-Schleckermitarbeiters steht nicht im DNA-Material, daß diese nur bei Schleck arbeiten können. Daraus resultierend wären die Leute, hätte es Schlecker nicht gegeben, in anderen Unternehmen untergekommen. Es ist nämlich nicht so – auch wenn es so suggeriert wird – dass der Umsatz der Schleckerfilialen nun nicht mehr gemacht wird, daß die Arbeitskräfte nun nicht mehr gebraucht werden, die Arbeitskräfte werden nur an anderer Stelle benötigt und der Umsatz wird eben bei den ehemaligen Mitbewerbern gemacht.

Ca Ro schreibt weiterhin: „….da gibt es nun offene Rechnungen…der Handwerker hat nun vielleicht das Pech noch einen oder anderen Kunden zu haben der ebenfalls seine Arbeit verliert…nun bekommt der Handwerker seine Rechnungen nicht bezahlt…wovon soll er die eigenen bezahlen?”, was auch ohne Schlecker der Lauf des Marktes ist. Das ist Kapitalismus, einzig der Kommunismus, bei dem alles auf die Gemeinschaft verteilt wird, könnte hier abhelfen. Den will aber wohl kaum jemand, ausser den Linken.
„Materialkosten z.B. kann er nicht…wenn es ein kleiner Betrieb ist droht ihm die nächste Pleite…hier greift eins ins andere…es geht nicht um Schlecker …es geht um Deutschland….”, schreibt Ca Ro und übersieht, daß es hier auch nicht um Deutschland, sondern schlicht um das System des Kapitalismus geht. Man könnte somit eine Grundsatzdiskussion führen, bei der letztendlich Schlecker zu einer Fussnote verkommt. Und, sind wir ganz ehrlich, der Konzern hat im Großen und Ganzen auch nicht mehr Stellenwert als eine billige Fussnote in den unendlichen Weiten der Wikipedia.

Ein Anderer schimpft über Bayern (was ich auch gerne mache, aber aus anderen Gründen:)), die dem Rettungsschirm nicht zugesagt haben. Bevor man hier groß meckert, sollte man mal die Summe des Rettungsschirms auf die involvierten Leute herunterdividieren. Welche extreme Summe letztendlich für jeden einzelnen zu erbringen gewesen wäre. Diese Rettungsschirme (grüße nach Griechenland:)) sind natürlich immer perfekt und helfen unheimlich gut und nur weil der zukünftige Arbeitslose aus dem Hause Schlecker und nicht aus der (fiktiven) Bayerisch Malerei und Zinnverzierungs GmbH stammt, hat er eine bessere Behandlung verdient? Also bitte!

Fazit: Schleckermitarbeitersfrauen sind Arbeitslose wie alle anderen Arbeitslosen die wir jeden Tag aufs Neue bekommen. Es findet stätig eine Fluktuation bei Arbeitsstellen statt; Firmen werden eröffnet, Firmen schließen. Leute verlieren ihre Arbeit, Leute finden neue Arbeit. Und so ist es genauso sinnvoll explizit, wie auf einer Beerdigung, an die Schleckermitarbeiter (ob Mann, ob Frau) zu denken, wie wenn man Kinder vor einem weißen Bulli warnt, in den sie nicht einsteigen dürfen. Kinder dürfen natürlich in rote Bullis mit unbekannten Männern einsteigen, denn die sind ja nicht weiß! Und die 20.000 Arbeitslose die wir jeden Tag auf’s Neue haben, die sind nicht lecker, kommen aber auch nicht von Schlecker!

Alle die heute ihren Job verlieren: Ich denk‘ an Euch!

(Foto gefunden auf Flickr.com, Geschossen von r000pert, unter CC-Lizenz)

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Zwischenzeitlich wurde ich auf der „tollen“ Facebookseite wegen meiner Kritik am Umgangston des Betreibers gesperrt. Schon schade, wenn Leute nicht mit Kritik umzugehen wissen und dann zensieren.

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