Halt die Schnauze, oder Dich ans Thema!

Seitdem „Wer kennt wen” die Segel gestrichen hat, wird es auf Facebook schlimmer. Jedenfalls ist dies mein subjektiver Eindruck.

Der „Wer kennt wen”-User von Einst hat WKW auch ein wenig den Untergang beschert. Das Niveau war tief angesiedelt (irgendwie passte WKW gut zu RTL 🙂 ) und die Menschen haben primär mit unlustigen, kopierten ASCII-Bildchen kommuniziert.
Zum Geburtstag wurde die tolle Torte auf die Pinnwand kopiert, die optisch eher dem Erscheinungsbild eines Dickdarms entsprach und auf jeder fünften Pinnwand zu sehen war. Man hatte aber nicht nur Pinnwände beschmiert, auch Gruppen wurden geflutet mit kopierten Texten. Der WKWler musste kopieren, er war augenscheinlich nicht in der Lage ist ordentliche Texte zu verfassen und Kopieren ist schliesslich seit Guttenberg State of the Art. Der schöpferische Wert tendiert somit gen null und dadurch sind immer mehr Leute von WKW zu Facebook und Google+ abgewandert, das hat „Wer kennt wen” dann letztendlich das Genick gebrochen.

Jetzt sieht man vermehrt Postings in Gruppen von Facebook, die null mit dem eigentlichen Thema (in alten Zeiten sagte man Topic) zutun haben. Beispiele?
In einer Verkaufsgruppe mit 8.000 Mitgliedern fragt ein User, wie wohl die Lösung auf sein Bilderrätsel (4 Bilder, ein Wort) sei. Er bekommt Antwort, das nächste Bilderrätsel von ihm lässt nicht lange auf sich warten. Das wird 10 mal wiederholt und landet bei mindestens 100 Leuten auf dem Screen, weil Facebook sich dank der vielen Antworten denkt: „Das scheint doch wichtig zu sein, zeigen wir es auchmal den anderen!”.
Und warum das alles? Weil ein Mensch, der in der Schule mehr damit beschäftigt war sich mit dem Sitznachbarn zu unterhalten und mit dem Wortschatz eines Kindergartenkindes daherkommt, meint sich herausnehmen zu dürfen 8000 Leute mit seiner Frage belästigen zu können. Und das nur um ein Level bei einem Casualspiel auf seinem Smartphone weiterzukommen.

In einer anderen Verkaufsgruppe: Das Posting einer Tierliebhaberin über eine Frau, die sich 10 Stunden lang quälen lässt um gegen Tierversuche zu protestieren. Dass zum Teil Kinder die beigefügten Fotos sehen könnten, tangiert dann ebenso wenig wie das Thema der Gruppe. Aber wir haben unsere Message verbreitet, und dann zählt doch nur das! Ich kann es noch teilweise nachvollziehen warum man so etwas postet was einem wichtig ist, allerdings geht solches „Ich verbreite meine Meinung auf Teufel komm raus” auch nach hinten los. Da helfen dann auch nicht die anderen Tierschützer, die nach dem Essen des Schweineschnitzels von real.- für rund 4 Euro das Kilo, meinen lautstark Beistand leisten zu müssen.
„Man kann ja mal eine Ausnahme machen!” tönt es im Tenor.  Die Message ist ja so wichtig – so wichtig, dass sie jeder vernehmen muss.

Themen mit wichtiger Message, die einen Topic (also ein eigentliches Thema) außer Kraft setzen sind übrigens:  Dinge mit Tieren, Dinge vorallem mit/über Kinder, aber auch Gemecker über den Staat und die Regierung sind gern gesehen. Postings mit solchen Inhalten sind immer legitim – zumindest in den Köpfen der geistigen Unterschicht.

Das Posten von Beiträgen, die nicht dem Thema der Gruppe, respektive des Forums entsprechen, kann man in etwa mit dem Besprayen einer frisch gestrichenen Hauswand vergleichen. Der Sprayer sagt: „Nun sieht die Wand viel schöner aus!“, oder: „Hauptsache ich habe meine Message (Tag) verbreitet!“. Ziemlich asoziale und respektlose Einstellung, oder?
Nun mag man vielleicht sagen: „Die Wohnwand kostet ja Geld, das ist ja bei den falsch platzierten Themen nicht so.”, dem darf ich sagen: Doch!

Wir geben Milliarden dafür aus, unsere Zeit zu sparen. Jeder Computerbegeisterte bekam beim Wechsel von einer normalen Festplatte auf eine SSD-Festplatte ein dickes Strahlen in die Pupillen, weil er ein paar Sekunden weniger auf seinen Computer fortan warten musste. Wenn wir hier also Unmengen an Geld ausgeben um nicht zuviel Zeit zu verplempern, dann erzeugt falsch geposteter Dünnpfiff eben Kosten (Und das Sprichwort „Zeit ist Geld” kennt jeder von uns, oder?). Von den Kosten die das Versenden und Empfangen erzeugt wollen wir erst gar nicht reden.

Aber das ist noch nicht alles, durch das Posten von themenfremden Beiträgen verwässert nach und nach ein Forum, bzw. eine Gruppe. Es werden vermehrt Postings verfasst, die nicht dem Thema entsprechen, weil „wenn der das darf!”, oder „die machen ja eh nichts!” gedacht wird. Letztendlich sagen sich dann Leute, die wertvolle Beiträge lieferten, dass es nichts bringt und wenden sich ab, was dann zu weiteren Content führt, der nichtmal in einem Wartezimmer von einer 80 Jährigen Patientin gelesen würde, die nur den Arzt besucht um nicht der Langweile ausgesetzt zu sein.

Eigentlich wäre alles so einfach, wenn man die nachfolgenden Punkte beherzigen würde:

  • Bevor man postet, passt das Thema eigentlich in das gewählte Forum, bzw. die gewählte Gruppe? Oder bespraye ich am Ende mit meinem Beitrag, so zusagen eine Hauswand?
  • Ist mein Posting eigentlich wirklich nötig? Oder könnte ich, wenn ich eine Frage habe, das auch per Google innerhalb von 30 Sekunden selbst rausfinden?
  • Entspricht das, was ich da poste überhaupt den Tatsachen? Teile ich etwas, was ich noch gar nicht ausreichend geprüft habe ob es stimmt?
  • Kann ich zu dem, was ich da von mir lasse, auch wirklich stehen? Kann ich in einem halben Jahr, in einem Jahr, in fünf Jahren noch sagen: „Das hab ich gesagt!“, oder muss ich das, wenn ich Kritik bekomme, wieder löschen?

Wir leben im so genannten Informationszeitalter, wir müssen Informationen zwangsläufig filtern (ausser es interessiert uns nicht was wir konsumieren). Wer sich z.B. den Spiegel, den Stern kauft, erwartet dort auch keine 50 Seiten Kochrezepte und 5 Seiten Themen, die zum eigentlichen Magazin passen. Und wenn, wird man danach das Magazin nicht mehr kaufen.

Daher bitte eines vor Augen halten: Ein wenig Denken hat noch niemandem geschadet…

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.

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