Jugendmedienstaatsvertrag (JMStV) – Im Land der Dichter und Denker

Jugendmedienstaatvertrag (JMStV) heisst das Ding.
Ganz ehrlich, ich habe selten so eine gequirlte Scheisse gelesen, wie sie von diesen Volksverarschern momentan verzapft wird.
Im Jahr 2011 werden viele Blogs vom Netz gehen, weil sie sich der Gefahr eines finanziellen Schadens durch diese oben genannte Scheisse entziehen wollen. Pardon, aber Scheisse ist Scheisse und Scheisse heisst Scheisse, weil sie Scheisse ist und nicht ein Vanillekipferl, oder ein Hackbraten.

Im Januar nächsten Jahres sind Blogbetreiber gezwungen ihre Beiträge mit FSK-Quark zu bekritzeln – nach ISO-Norm vielleicht sogar. Und, man soll einen Schutzbeauftragten ernennen, an den sich dann die Eltern und Kinder wenden können. Klar, Jugendliche halten sich auch an diesen Müll. Genauso wie sie brav die Finger vom Alkohol und Zigaretten lassen.

Wer hat eigentlich den Befürwortern dieses Blödsinns ein Ursula von der Layen Stoppschild vor die Birne gehämmert. Irgendwas großes, die Realität Verdeckendes scheint bei dieser bodenlosen Ignoranz vorhanden sein zu müssen. Im Übrigen, wurde von unseren VolksTRETERN der Schwachsinn durchgewunken. Lesen und verstehen brauch man heutzutage nicht, man bekommt seine Diäten auch so, also einfach mal durchwinken.

Es soll sogar Software geben, die sich an diesem Quark später orientieren kann und so Jugendlichen den Zugang zu den schädlichen Beiträgen verwehrt.

Kommen wir kurz mal in die Realität:
Die Jugendlichen werden diese Software schneller aushebeln, als Papa und Mama Jugendmedienstaatsvertrag sagen kann. Und hinzukommend, ist es gefälligst Sache der Eltern den Medienumgang der verlausten Kinder zu regeln und nicht die, der Anbieter. Schliesslich gebe ich meinen Kindern auch nicht den Schlüssel für das Auto.

Ich habe sechs Kinder, zwei davon bekommen dieses Jahr einen Notebook zu Weihnachten, einer hat bereits einen Rechner.
Und was mache ich? Ich stelle hier einen Proxy hin, der nur die Seiten anzeigen wird, die ich meinen Kindern erlaube zu sehen. Zensur? Mag sein! Aber so wird der Fokus auf die Dinge gelenkt, die wichtig sind. Quatsch wie YouTube können sie sich später noch ansehen, wenn sie den Medienumgang wirklich gelernt haben.

Software, die die Kinder vor bösen, bösen Webseiten schützt? So ein UNSINN! Das kann und wird nicht funktionieren.

Und dieser Quark jetzt, wegen dem Amokläufer von Winnenden, der seinen Hass primär durch das Fernsehen, verlogene Presse und Oberflächlichkeiten anderer aufbaute.

Was mich besonders ärgert, eine mir wichtige Seite http://blog.koehntopp.de stellt den Betrieb wegen diesem Schwachsinn morgen ein. Eine Quelle für kompetente Dinge des MySQLs weniger! Danke Deutschland! Mein Dank an dieser Stelle nochmals an Kristian Köhntopp für seine fundierten, kompetenten Beiträge.

Dieser Mann hat mehr Jugendlichen mit seinem Blog MySQL erklärt, als Ursula von der Layen sinnvolles von den Lippen gelassen hat. Und diesen Verlust werden Eure meist inkompetenten Informatiklehrer an der Schule auch nicht kompensieren können.

Wenn das dieses Land so weitermacht, landen wir in der Bedeutungslosigkeit, weil die Insassen (das ist doch hier eine Irrenanstalt?) sich auf den Webseiten anderer Länder informieren muss, weil alles an Innovation im Keim erstickt wird. Schliesslich werden die Hürden immer höher. Ein Hoch auf die Dummheit!

[UPDATE]
Selbst wenn Udo Vetter [Law Blog mit diesem Artikel] Recht behält, ist eine Rechtsunsicherheit für Blogger gegeben. Und, diese Meinung teilen auch andere, wie z.B. Thomas Stadler [Internet-law.de in diesem Artikel] schreibt.

Selbst wenn alles Gut verläuft, ist es für diese Regierung einfach peinlich, einen Gesetzentwurf zu verfassen, der für den Gesässmuskel ist. Mich hat das Gebiet der Rechtswissenschaften schon immer interessiert und eines habe ich sehr schnell kapiert: Gesetze sind Auslegungssache und grade bei Gesetzen die das Internet betreffen, läuft man immer Gefahr, an einen ewig gestrigen (Richter) zu geraten, der die moderne Welt ablehnt.

Ich erinnere mich noch recht gut, als mein Vater vor rund 25 Jahren wegen Raubkopierens von Herrn Günther Freiherr von Gravenreuth vor Gericht gezogen wurde. Der Anwalt meines Vaters hat folgendes gesagt: „Ach, das ist doch alles Mumpitz! Die Programme haben doch alle Kopierschütze, die man nicht umgehen kann!” und so machte dann ein kleiner Junge den Mund auf, korrigierte die falsche Ansicht des Anwalts und bekam ein „Halte den Mund!” zu hören. In den 25 Jahren hat sich gar nicht so viel geändert, wie man vielleicht hoffen mag.

Bei Twitter las ich ziemlich treffend in etwa, dass hier Gesetze gemacht werden, von Leuten, die von der Materie soviel Ahnung haben, dass sie sich selbst helfen lassen müssen um überhaupt am Internet teilzunehmen. Wir blicken auf alte Säcke, deren Auffassungsgabe nicht ausreicht um zu erkennen, dass das Internet nicht an den Landesgrenzen von Deutschland aufhört. Internet ist etwas globales. Ich kann in Hawaii sitzen, Server in Kapstadt meinen Käse hochladen, für Leute in Deutschland und was weiss ich.

Deutschland macht es, und das hat Kristian Köhntopp wunderbar erkannt, StartUps in Deutschland so schwer, dass man am Besten seine sieben Sachen packt und in ein Land geht, welches mehr Weitblick hat.

Ich habe momentan zwei Ideen im Kopf, an denen ich arbeite und die gegebenenfalls Arbeitsplätze in Deutschland produzieren. Wenn es mir zu bunt wird, werde ich damit verdientes Geld (dazu muss es erstmal gestartet sein und von der Bevölkerung auch in dem Masse angenommen werden wie ich mir das denke:)) dazu verwenden, diesem Land den Rücken zu zukehren. Dann freut sich eben ein anderes Land über die daraus resultierenden Arbeitsplätze.

Ja, ich weiss, es gab bereits viele Visionäre, die davon träumten online reich zu werden. Aber, ich träume nicht vom großen Twitter-Konkurrenten, sondern von handfesten Dingen.

[Update] Der Unsinn wurde in NRW gekippt und in den Kämmerlein, weltfremder, ewiggestriger Politiker wird der nächste Quatsch mit heisser Feder geschrieben. Es fällt demnach schwer, sich wirklich darüber zu freuen.

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.