Ich will Dich nicht kennen! – Im Land der Dichter und Denker

Es ist schon interessant, wie manche Menschen mit ihrer Privatsphäre umgehen. Sicher, soziale Netzwerke sind toll – na ja, nicht wirklich, jedenfalls würde mir persönlich nichts wirklich fehlen, wenn in Bill Kaulitz Manier (Schlimm, schlimm!) sie plötzlich weg wären.

Nur, muss man den wirklich sein Leben, oder das was man als Leben bezeichnet, der Öffentlichkeit präsentieren? Besteht das Leben wirklich, für manche, nur aus dem Leeren der Bierflaschen, dem Abhängen vor Computer und Fernseher?

Ich meine, wenn man Geburtstag feiert, ein Bild der Torte, der Geschenke, alles durchaus legitim. Aber Bilder von besoffenen, schlafenden Leuten in Bettwäsche der 80er, die unter dem Grauschleier des Gilb leidet? Im Hintergrund Bierkästen und anderer Krimskrams der dort nichts zu suchen hat? Will man so etwas sehen?

Will das vielleicht dann auch ein potentieller Arbeitgeber sehen? Doch, der will das ganz sicher sehen! Heutzutage macht man sich ein Bild des potentiellen Bewerbers, schaut seinen Background unter anderem auch in sozialen Netzwerken an. Und bekommt dieser dann solch eine Szene geliefert, stellt man solche Leute wahrlich nicht ein. Das ist natürlich gut für die, die gar nicht eingestellt werden wollen.

Interessanterweise findet man solche Bilder primär bei Wer kennt wen, welches sich sowieso auf dem absteigenden Ast der sozialen Netzwerke befindet. Das dort ansässige – offensichtliche – Hauptklientel, welches nicht die eigene Muttersprache in den Grundzügen beherrscht, ist wohl nicht ganz unschuldig daran.

Und so kommt es eben auch, daß meine Wenigkeit inzwischen nicht jedem, der mal neben einem wohnte, mit dem man zwangsläufig die Schulbank drückte und vielleicht auch sonst in anderen sozialen Schichten unterwegs ist, eine Verbindung zur eigenen Person erlaubt. Bei Wer kennt wen ist mir das wahrlich schnurz und interessiert mich zwischenzeitlich in dem Masse, wie der bekannte Sack Reis in China, der der Gravitation nachgegeben hat.

Arrogant? Nein! Schliesslich umgibt man sich, in der Regel, mit Seinesgleichen und ich – es darf gelacht werden – war gestern nach der einen Flasche Bier schon beschwippst, weil es das erste Bier in diesem Jahr war, welches ich getrunken habe. Meine Lebensinhalte sind andere und drehen sich nicht um das Beglücken seiner Nächsten, dem Konsum von unterschiedlichen Billigbiersorten, dem Genuss von Fastfood bei amerikanischen Ketten und auch nicht dem Beklagen über die Regierung auf einer infantilen Ebene. Wenn Gespräche mit Anderen zur Tortur werden, weil ein belangloses Thema, welches dem Sauerstoffverbrauch während der Diskussion nicht würdig ist, meine Zeit kostet – warum sollte ich mich dann mit solchen Menschen abgeben?

Und so passiert es, daß ich den Ein oder Anderen nicht kennen will, vielleicht auch weil man von seiner Person aus falsche Rückschlüsse auf mich ziehen könnte.

Einer, der mit mir die Schulbank drückte meinte, als ich ihm anbot einen Kontakt zu einem weiteren Schulkameraden herzustellen: „Du, lass mal! Hab mich zwar damals mit dem ganz gut verstanden, aber muss nicht…“ – ich kann ihn immer besser verstehen. Manche Menschen muss man einfach nicht kennen.

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.

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