Ich hatte mich so gefreut…

Ja, ich freute mich. Es war eine unheimliche Vorfreude, aber dank dem deutschen Michel blieb es dabei – Vorfreude. Ich freute mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten als Google für Deutschland Streetview ankündigte.

Freudig vernahm ich den Opel Astra, welcher mit seinem großen Aufbau auf dem Dach neben mir auf der B469 fuhr.

Bald, so dachte ich, wird man unsere Umgebung, ja vielleicht sogar das ganze Land virtuell bereisen können. Sollte mich das Heimweh packen, könnte ich mich virtuell in Millisekunden zu meinem Geburtsort nach Mainz beamen. Kosten, fast null und der eventuell aufkeimende Durst nach Heimat wäre gestillt ohne auch nur ein Gramm Kohlenmonoxid in die Umwelt durch einen Auspuff geblasen zu haben.

Aus meiner Vorstellung wurde leider nichts. Es sollte bei schnöder Vorfreude bleiben, denn der deutsche Michel bombardierte Google mit Widersprüchen. Widersprüche sind des dummen Michels heimliche Leidenschaft, kann das sein?

Nun, der ein oder andere Widerspruch war durchaus nachvollziehbar. Zum Beispiel konnte man manchmal in Wohnungen der Leute schauen, was nun wirklich nicht sein muss. Die meisten Widersprüche resultierten aber aus künstlich geschürten Ängsten. Geschürt in den heiligen Hallen gewisser Konzerne in Deutschland, die einen unheimlichen Hass auf Google, Facebook, Apple und Co. haben.

Abonenntenzahlen sinken, Zuschauer schwinden und der große Gewinner: Das Internet und mit diesem die Firmen, die hinter dem bösen, alles verändernden Internet stehen.
Natürlich haben die alten Medienkonzerne sich auch auf das Internet gestürzt. Dort den ein oder anderen Euro verdient, aber eben auch in den Sand gesetzt. Dennoch der Gewinn ist nie in diesem extremen Maß, wie sich der Vorstand dies wünscht – wie z.B. aktuell bei einem großen Unternehmen in Deutschland, was Rekordgewinne fuhr und dennoch Einsparungen vornehmen will.

Aber nochmal zum Widerspruch zur Veröffentlichung der eigenen Hauswand auf Streetview:
Werden die Häuser nicht durch den “Die Sims”-Verpixelungskrempel viel interessanter?
Dieser Nebel, dieses Unkenntlichmachen… da ist doch sicherlich, so keimt der Gedanke auf, ein Schatz versteckt?!

Wie groß war die Schmach, als genau diese verpixelte Häuser dann bei dem Googledienst Picasa noch deutlicher zur Schau gestellt wurden.

Wäre es nicht schön gewesen, die erste Begutachtung des in Erwägung gezogenen neuen Domizils – weil man einen Arbeitsplatz in einer anderen Stadt angenommen hat, schließlich sind wir ja so global – online, von zu Hause vorzunehmen? Wenn man dann noch erkennt, dass das als modern angepriesene Gebäude in Wirklichkeit ein ekelhafter Betonblock ist, welcher den eigenen Erwartungen so gar nicht entspricht, freut man sich nicht am gesparten Benzin, der gesparten Zeit?

Oder der Kollege, der erzählt, dass das beste Restaurant bei XYZ um die Ecke ist? Wie schön wäre das gewesen – kurz vor den Rechner gepflanzt, Streetview gestartet, den Weg virtuell auf dem Rechner verfolgt. Merke: Die Spezies Mensch ist eher visuell und kann sich Wege, die sie visuell vernommen hat viel besser merken.

Urlaub in Deutschland wäre auch so ein Ding gewesen. Die Leute hätten sich ihr eventuelles Urlaubsziel online angesehen, direkt gebucht… na ja, können sie ja jetzt in Ländern machen, in denen der deutsche Michel nicht umherstolziert und mit irgendwelchen Gesetzestexten winkt, die dem IstZustand der heutigen Informationsgesellschaft einfach nicht mehr entsprechen.

Ja, der Schaden, welcher der deutsche Michel hier angerichtet hat ist größer als man glaubt und anfangs vermutet. Hier ging es um indirekte Arbeitsplätze, hier geht es um Ansehen in der Welt welches den Deutschen darstellt als hätte man es hier mit verkniffenen Korintenkacker zutun.

Ich jedenfalls habe mich auf Streetview gefreut und wäre durch viele Landstriche gezogen, hätte sogar eine kleine Tour im Voraus – der Harz ist ja recht reizvoll – online geplant und mir die Highlights dann in der Realität angesehen. DANKE MICHEL!

(Bildmaterial unter CC-Lizenz von Editor64 Jürgen Pohl)

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.

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