Die gesellschaftliche Hypersensibilisierung – oder: „Ich will mich aber beleidigt fühlen!“

FlenneWiedermal fühlte sich jemand zu unrecht beleidigt? Einfach mal zum denken anregen und den Beitrag verlinken! Danke!

„Du hast mich beleidigt, Papa!“, tönt mir meine Tochter entgegen. „Beleidigt?“, frage ich mich. Beleidigt weil ich sie kritisierte, weil ich sie tadelte wegen ihrem Verhalten? Und dann schießt es mir wiedermal durch den Kopf, die bittere Erkenntnis: Leute fühlen sich heutzutage sehr schnell beleidigt. Sie fühlen sich beleidigt, auch wenn sie es gar nicht wurden. Ist da ein innerer Wunsch, beleidigt werden wollen? Man wird dann schliesslich wahrgenommen. Herrscht hier also ein Mangel an Präsenz, an Akzeptanz?

Ein Freund von mir fährt in einem öffentlichen Bus zu seiner Arbeitsstätte. Er zeigt sich mit dem Verhalten der Busfahrerin, die ein Kind am Arm zerrt und anschreit nicht einverstanden. Er sagt in einem erschreckend ruhigem Ton: „Ich finde es nicht richtig, daß sie das Kind am Arm reißen und anschreien!“.

Die Busfahrerin verweist ihn des Busses, weil sie seinen – so wörtlich – „arroganten Ton“ beleidigend findet. Es wird subjektiv eine Kommunikation als arrogant empfunden und das ist beleidigend? Ich persönlich nenne das Vorgehen von meinem Freund „Courage“ die vielen Leuten fehlt. Auch wenn die anderen Fahrgäste hier der Busfahrerin zur Seite stehen macht das keinen Unterschied. Das Fussvolk, in Form der anderen Fahrgäste, hält natürlich zu seinem Führer, verkörpert hier durch die Busfahrerin. Klar – zu Fuss will man nicht gehen, Anflüge von Courage werden im Keim erstickt. Die Gefahr ist zu groß ebenfalls dem Bus verwiesen zu werden. Die Busfahrt ist auch schon bezahlt. Hach, ein wahres Dilemma!

Laut dem StGB im §185 droht meinem Freund eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Weil eine Busfahrerin den Ton von ihm als arrogant empfindet? Das kann doch wohl nicht sein, oder? Was stimmt nun nicht? Das Gesetz, welches den arroganten Ton, dieser unheimlich beleidigende, zu hart bestraft, oder die Definition der Busfahrerin zum Wort „Beleidigung“?

Ganz einfach – es ist Letzteres und leider ist die Dame hinter dem Steuer des Busses in großer, aber nicht guter Gesellschaft. In der heutigen Generation wird Kritik, das Aufzeigen von Fehler als Beleidigung angesehen. Beleidigungen sind zwischenzeitlich in die Umgangssprache eingeflossen und werden nicht mehr als Beleidigungen angesehen. Die Korrektur eines Diktates, welche mit vielen roten Strichen dem Schüler vor den Latz geknallt wird, sie wird als Beleidigung empfunden! Schliesslich wird hier die eigene Schwäche, das eventuelle eigene Fehlverhalten, welches man sich aber nicht eingestehen will, aufgezeigt. Und so wird das korrigierte Diktat dann kommentiert: „Boh, der Huso! Alter, der Wichser hat sie doch nicht mehr Alle! So viele Fehler hab isch nie im Leben, Alder! Der beleidigt mich!“.

Durch Fehler lernt man. Bekommt man seine Fehler nicht aufgezeigt, lernt man nichts.

Wäre es nicht schade, wenn die Leute sich sich nicht mehr trauen Fehler anzusprechen? So wäre es dann nicht mehr möglich aus seinen Fehlern zu lernen.

Es sind vor Allem die niedrigen Bildungsschichten, die sich häufig zu Unrecht beleidigt fühlen. Oftmals wird dann zur Gewalt gegriffen um den Disput zu klären. In dieser Disziplin, einem mal ordentlich „auf’s Maul zu hauen“ kennt man sich aus, ist auch schneller vollzogen, als mal an sich zu arbeiten. Dies verwundert aber auch nicht, immerhin hat man sich nie etwas sagen lassen. Man ist so zusagen fehlerfrei! Und wenn man Fehler macht, dann in unwichtigen Sachen, wie z.B. der Orthografie. Hauptsache man versteht was man will und wenn man es der Gegenüber nicht versteht, ist er dumm, oder will einem – wer hätte es gedacht? – beleidigen.

Hier hat man dann eben eine Schwäche, die Lese- Rechtschreibschwäche, die sich elegant vorschieben lässt und von anderen Faulsäcken verteidigt und akzeptiert wird. Man leidet zwar nicht daran, aber es ist einfach angenehmer als sich darum zu bemühen korrekt zu schreiben. Und ich bin mir sicher, an dieser Stelle fühlen sich wieder welche ertappt und sagen: „Der beleidigt mich!“.

Die heutige Generation scheint an vielen Stellen sich einfach beleidigt fühlen zu wollen. So wie damals im Film Matrix davon die Rede war, dass Menschen in einer perfekten, heilvollen Welt, so zusagen dem Paradies, nicht leben können, sondern das Negative zum leben brauchen.

Den Artikel wollte ich schon seit über einem Jahr zu Papier, pardon, zur Tastatur bringen. Damals fühlte sich jemand von mir in einer Gruppe beleidigt, weil ich einen „:-P“ Smiley benutze. Aber es kam und kommt jeden Tag neues Material zu dieser Thematik auf den Tisch und immer auffälliger wird dieses Leiden. Es Leiden viele an dieser Hypersensibilisierung, diesen Wunsch sich beleidigt zu fühlen und normalerweise müssten viel mehr den Freitod wählen weil sie bis aufs Mark beleidigt wurden. Jedenfalls sprechen sie von dieser extremen Beleidigung, weil sie zu dumm dafür sind, zu dumm dafür, die korrekte Definition einer Beleidigung zu verstehen. Oder steht inzwischen Kritik direkt unter der Definition zur Beleidigung und das von Dschungelcamp überanstrengte Hirn verrutscht einfach nur in der Zeile?

Meine Tochter hat es durch ihre Mitschüler beigebracht bekommen sich an der falschen Stelle beleidigt zu fühlen. Das bekommen wir noch aus ihr raus.

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Lieber Blogger Jeanot,
    Erst einmal toll geschrieben ein nettes Thema was du da aufgegriffen hast.
    Ich möchte auf etwas näher drauf eingehen…

    Zitat:“ Es sind vor Allem die niedrigen Bildungsschichten, die sich häufig zu Unrecht beleidigt fühlen. „Zitat Ende

    Habe viele studierende Menschen erlebt die so überheblich waren das sie alles was Bildungstechnisch nicht ebenbürtig war, einfach ein reines NICHTS darstellte.

    Kritik von der Unterschicht in die Ober Schicht wird genauso wenig gemocht.

    Kinder Kritik wird von manchen Eltern auch als beleidigend entfunden.

    Ich denke egal in welcher Schicht, mit Kritik können viele Menschen nicht umgehen. Fühlen sich beleidigt.

    zivil Courage zeigen , ist es nicht anders.

    Ich selbst habe es in einer Gruppe erlebt, das alle es still angenommen haben, was da geschah. Keiner wollte es mit ihm „verkaken“
    Ich habe es, denn niemand ist mir so wichtig das ich mich bloß stellen lasse „stillschweigend“…

    Sei herzlichst gegrüßt
    Özlem

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