Don Quichote kämpft wieder gegen Windmühlen – Im Land der Dichter und Denker

Okay, Holtzbrinck hat ein Problem, die Leute gehen lieber zu Facebook als in das eigene SocialNetwork, ein Thema für sich. Interessant aber ist dieser Artikel: VZlog Umfrage: Wie reagieren Schulen auf Probleme mit schülerVZ?, genauer gesagt, die Kommentare.

Da wird wahrlich davon berichtet, dass:
I. Schulen sich von Schülern/Eltern unterschreiben lassen wollen, daß die Schüler weder Twitter, StudiVZ, SchülerVZ, Spickmich etc. pp. nutzen.
II. Lehrer sich mit Anwälten bewaffnet vor Schüler und Eltern postieren und von diesen dann 100.000 Euro Schmerzensgeld verlangen.

Entschuldigung, aber liebe Schulen und Lehrkräfte, gerät hier das Kredo aus der Vergangenheit zu lernen in Vergessenheit?

Hexenverbrennung, das Beharren auf „die Erde ist eine Scheibe”, „Darwin lügt!”, Bücherverbrennung – all das war ein Schuss in den Ofen. Nun scheint es, dass sich die ewig Gestrigen vor den Leuten, welche in der Gegenwart leben, aufstellen, um mit geltendem Recht verletzenden Aktionen, ihre Hoffnung zu bewahren, dass alles beim Alten bleibt? Wie naiv ist denn das?

Sicherlich, es ist ein Problem. Schüler mit einem Intelligenzquotienten einer Hühnerleiter. Dann noch eben solche, die Mitschüler und Lehrer im Internet moppen, weil sie denken, sie seien durch Anonymität geschützt. Aber ein Unrecht kann man nicht mit einem anderen Unrecht lösen!

Bei oben genanntem Vertrag, sich zu verpflichten, keine Mitgliedschaft bei Twitter, SchülerVZ etc. pp. zu haben, eine eventuelle sogar zu löschen, begeht Ihr, liebe Schulen folgende Fehler:
I. Ihr grenzt Eure Schüler aus dem normalen Leben, eines in dieser Zeit lebenden Menschen, aus.
Wenn Ihr, liebe Leute, noch nicht in der Gegenwart angekommen seid, mit dieser Zeit nicht umzugehen wisst, ist dies Euer Problem. Das gleicht dem, als würde man von Sehenden (mancher Schüler), gegen eine kleine Anzahl von Blinden (manches Schulpersonal) verlangen, sich das Augenlicht nehmen zu lassen.
II. Greift Ihr hier die Menschenwürde an. Schliesslich hat jeder Mensch das Recht sich zu entfalten und da Twitter und andere SocialNetworks in Deutschland nicht verboten sind, hat die Schule auch nicht das Recht einen Vertrag, mit einer solchen Forderung auch nur ansatzweise zur Unterzeichnung vorzulegen.
III. Begeht Ihr Geschäftsschädigung, denn wie gesagt, diese Netzwerke sind nicht in Deutschland verboten. Kommt Ihr dann auch demnächst mit einem Schreiben, dass nur noch Schüler in bayrischen Schulen erlaubt sind, deren Eltern die CSU gewählt haben?! Absurd? Sicher! Aber diese Forderung haben auch schon manche Geschäftsführer von ihren Angestellten per Schrieb verlangt, dass sie eine gewisse Partei zu wählen haben. Dieser Verzicht auf SocialNetworks kommt dem Vergleich schon extrem nahe.
IV. In Deutschland gibt es die Schulpflicht, man könnte annehmen, dass Schulen dementsprechend verpflichtet sind ihre Schüler zu unterrichten?!

Zu dem oben genannten zweiten Punkt. Solange der Schüler seine Meinung ohne Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Lehrers und ohne Beleidigungen verfasst hat, wo ist Euer Problem? Es gibt da was, dass nennt sich Recht zur freien Meinungsäusserung. Wenn ein Schüler unzufrieden mit seiner Lehrkraft ist, sollte man vielleicht mal überlegen, wieso dies so ist und Kritik als solche annehmen und auffassen.

Wie dem auch sei, diese Schulen haben sich nicht Ruhm bekleckert und zeigen ein lächerliches Verhalten, welches dem gleicht, wenn man einem Kleinkind einen Lutscher wegnimmt. Gewisse Schulen scheinen mit dem Internet überfordert und, das ist ein anderer Punkt, Schulen überfordern die Kinder mit unnötigen neuen Rechenwegen, vereinfachter Ausgangsschrift und anderem unnötigen Mist der den Geschmack von „Versuchen wir mal was Neues an unseren Laborratten” hinterlässt. Man sollte den Fokus eher auf wichtige Dinge setzen (z.B. die Verbesserung des Schulsystems), anstatt wie Don Quichote gegen Windmühlen zu kämpfen.

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.