Designwettbewerb von Pril, oder besser: Ein kleines SocialMedia-Desaster

Nun ist der Wettbewerb von Henkel, bzw. Pril endlich vorbei und das Gezeter bei den Beteiligten groß.

Wie ein Elefant im Porzellanladen trampelte Henkel, oder die beauftragte Werbeagentur, die vergangenen Wochen durch das Netz. Ja, man hätte sich wirklich jemanden suchen sollen, der sich mit solchen Dingen auskennt. Die Programmierer (Flash/Actionscriptprogrammierer) des Designers, womit man sein Design erstellen konnte, haben eine wahrlich hervorragende Arbeit abgeliefert. Dieses Kompliment ist ehrlich und so etwas kommt selten aus meinem Mund. Alle weiteren Beteiligten sind SocialMedia-Anfänger die sich dachten, man könne ja mal was probieren. Ihr Lieben, lasst Euch sagen: Es ging VOLLKOMMEN in die Hose!

Selbstverliebt wurde von ominösen und raffinierten Techniken gesprochen die den Klickbetrug eliminieren. Als ich diesen Unsinn von der achso raffinierten Technik gelesen hatte, musste ich schallend lachen und weckte dabei eines meiner Kinder. Glauben die etwa, sie hätten es mit CSI-Zuschauern zutun, die den angesammelten Vollmist der Serie glauben? Richtige Experten, wirkliche Computerforensiker, wow!

Halten wir uns die Realität vor Augen, ist offensichtlich, dass viele echte Stimmen gelöscht wurden. Es wurde auf Facebook geschrieben: „Wir können erkennen, ob die Votings durch JDownloadscripts erzeugt wurden!” und das stimmt eben nicht. Dieses JDownloader-Script (welches nur ein DAU genutzt hätte:)) trennt, zum Verständnis, die Verbindung zwischen Provider und Rechner. Da die meisten Provider dynamische IP-Adressen vergeben, ist also die neue vergebene IP-Adresse eine frische. Dennoch kann diese frische IP-Adresse schon bei einem anderen Voting genutzt worden sein.

Schauen wir uns reale zwischenmenschliche Beziehungen an: Person A, B, C u.s.w. kennen sich, wohnen 5 – 15 Kilometer auseinander und haben als Backbone/Provider T-Online (1&1 kommt in den meisten Fällen auch über T-Online, also bleiben verschwindende AOL/Freenet-User und ein paar Arcor-Leutchens). Alle Persönchen unterhalten sich im Chat und Person A sagt zu allen anderen: „Guck Euch mal mein Design an und wenn es Euch gefällt, seid so lieb und vote für mich.”
Tja, und nun kommt der Haken: Alle Personen, wenn sie denn nahe zusammen wohnen (z.B. bei Arbeitskollegen der Fall), haben die selbe IP-Range (IP-Adressen kann man oft bis auf Stadtgrenzen herunteridentifizieren) und in einem geringen zeitlichen Abstand werden nun die Votes eintrudeln. Und nun gehen oben genannte Elefanten hin und streichen dann das Voting weil es ja vom einem JDownloaderscript kommt. Auch von: „man kann ruhig sein Design bewerben!” wurde gesprochen. Wenn man dann geworben hat, fallen die Votings auch in einen bestimmten Zeitrahmen, der dann wohl auch dieser Streichung zum Opfer fiel.

Auch wurde davon gesprochen, dass man Votings über Proxys gelöscht hat. Klar… Pril hat alle IP-Adressen, aller auf diesem Erdball betriebenen Proxys! Aber, okay, das Löschen von Votings über Proxys halte ich noch für mehr oder weniger legitim. Und Votings aus anderen Ländern? Wurden die auch gestrichen?

Auf Facebook bekam zudem zu hören, dass keine Zensur betrieben wird, bzw. wurde. Nur komisch, dass die Beiträge meiner Besseren Hälfte vor ein paar Wochen gelöscht wurden, inkl. ihrem Design auf Pril (welches auf Platz 17 zeitweise war). Warum? Weil sie vor Wochen schon vorhersagen konnte, dass der ganze Kram so mies laufen wird und man lieber Scheuklappen aufsetzt. Man ist schliesslich eine große Agentur/Firma, da weiss man das doch besser:).

Hätte man Captchas verwendet (die berühmten Sicherheitsabfragen, bei denen man den angezeigten Code eintippen soll) – und nein, nicht alle Captchas sind nur durch Programme zu lösen, sonst wäre meine Wenigkeit wirklich reich:) – hätte man ein großes Problem weniger gehabt. Dennoch gibt es Wege, Captchas bequem zu umgehen. Und, nicht ohne Grund, mag Facebook keine Gewinnspiele mit Votings:). Kurzum, gleich von vorneherein hätte man seitens Pril sagen können: Macht, tut… Wir suchen uns das was wir haben wollen raus! Votings lassen wir aber mal sein.

Dass am Ende solche Einschläferungsdesigns genommen wurden passt zum staubtrockenen Familienunternehmen (und das ist Henkel trotz AG in der Firmierung) Henkel ganz gut. Aber, wer sich darüber aufregt kennt die deutsche Werbelandschaft nicht, die aus dümmlichen Kommentaren von Fussballern, seichten Witzchen und lecker, lecker Saitenbacher (würg) besteht.

Im Übrigen kosten ordentliche Designs wirklich viel Geld und zwar soviel, dass man sich die Wand mit iPads pflastern könnte.

Auch noch ganz interessant: Es waren einige richtige Kunstwerke dabei, z.B. eine Grafik von Elvis. Hätte aber diese Grafik gewonnen und jeder hätte darauf bestanden, dass dieses Design auf die Flasche kommt… Nun, hätte sich die Familie Elvis (oder der, der die Rechte aufkaufte:)) durchaus gefreut. Auch der Spruch „schmeckt lecker nach Hähnchen” hätte nie die Flaschen zieren dürfen, weil… na ja, Produktversprechen:).

Kurz und knapp: Man hätte jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt und keine CSI-Sendungsschauer die den Mist auch noch glauben.

Achsooo…. Ich habs gleich gesagt, nämlich hier, hier und da! ;P

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Hallo, mein Name ist Jeanot und bin der Urheber dieses Blogs. Ich schreibe über Themen die mich bewegen, oder aktuell interessieren. Sicherlich ergeben sich dabei Meinungen die nicht dem Mainstream entsprechen – aber auch nicht müssen. Als Programmierer befasse ich mich mit PHP und Java. Man könnte mich als Geek bezeichnen. Seit dem siebten Lebensjahr (geboren im Januar 1974 in Mainz) habe ich mit Computern und allem was dazugehört zu tun. Zwischenzeitlich lebe ich mit meiner Familie im Spessart.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Die Firma Henkel benachrichtigte mich über LifeTimes über den Wettbewerb. Nicht alle Teilnehmer waren Facebookmitglieder.
    Mein Design (Platz 86) war eine Karikatur eines alterndes Stars, der sich mangels Paparazzi an seinem 60. Geburtstag selbst fotografieren mußte. Mit eigenen Votes und ausschließlich mit Freuden wäre das bestimmt nicht so weit nach vorne gerutscht. Aber für Spitzenplätze mußte man wohl wirklich eine Community hinter sich haben. Schade, daß solche Wettbewerbe nicht durch wirkliches Voting entschieden werden.

    Gruß von Bloodymary

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